In den vergangenen Wochen ist in meiner Malerei die Landschaft in den Vordergrund gerückt und der Mensch fast verschwunden. Das mag damit zu tun haben, dass Dystopien zunehmend mehr Glauben geschenkt wird. Damit ist zwar die Utopie von einer sozial gerechteren Gesellschaft nicht gestorben, aber sie muss um ihr Überleben kämpfen.
Die Gegenwart, gepraegt von Pandemie, Existenzangst und Krieg, gebiert unweigerlich Dystopien als scheinbar einzig moegliche Option. Insofern erweist sich die Gegenwart als Denkgefaegnis, das ich mit dem Mittel der utopischen Malerei aufzubrechen versuche.
In der historischen wie gegenwärtigen Wirklichkeit spiegelt sich immer auch die Wahrheit der Sieger in der Geschichte und den Mächtigen der Gegenwart wieder. Natürlich sind auch die Mythologien der Welt von diesen Wahrheiten geprägt. Für die Utopie bedeutet das, solange sie sich nicht der Wirklichkeit gesellschaftlicher Machtverhältnisse bewusst ist, wird sie unweigerlich von dieser geprägt sein. So bleibt die Utopie in der Gegenwart und Geschichte sozialer Ungleichheit gefangen.
Eine Kunst, die vorgibt mit Traditionen zu brechen, ist eine verlogene Kunst, die sich einem Markt und einer Gesellschaftsordnung unterwirft, die vorgibt, alternativlos zu sein.
Wovon sprechen wir, wenn wir von Kunst sprechen? Und wer weiss, dass "freie Kunst" freien Maennern vorbehalten war (und ist?), die fuer ihren Brotererwerb nicht arbeiten muessen? Von dieser Kunst will ich mich frei sprechen.
Mythologien dien(t)en dazu, das eigene Ordnungssystem als einzig Wahres zu legimtieren. So wurde auch der Mythos in die Welt gesetzt, dass bestimmte Geschlechter und Voelker Anderen ueberlegen seien. In der utopischen Malerei geht es nicht zuletzt darum, derartige Irrtuemer aus der Welt zu raeumen.
Mythologie ist nicht allein der Vergangenheit verschiedener Kulturen und Religionen vorbehalten, sondern ist vielmehr eine Sammlung von Erzaehlungen unserer Vorstellungswelten. Aktuell gibt es jedoch (noch) keine Mythologie, die unser aller Geschichte(n) erzaehlt.
Angesichts der anhaltenden Pandemie und der andauernden Ratlosigkeit ist aus der inneren Einkehr und dem Innehalten ein Stillstand geworden, der unserer geistigen Erschöpfung keine Erholung gönnt.
Mythologie und Wirklichkeit sind jeweils Resultat unseres Denkens. Daher ist das Phantastische nicht weniger real als das, was wir mit Wirklichkeit beschreiben. Wir bestimmen am Ende, was wirklich ist.